Auguste Victoria in Marl

Die Zeche Auguste Victoria (kurz AV) ist ein ehemaliges Steinkohlenbergwerk der RAG Aktiengesellschaft in Marl und Haltern am See, das am 18. Dezember 2015 geschlossen wurde.

 

Bis zu seiner Schließung war das Bergwerk das drittletzte aktive Steinkohlebergwerk Deutschlands sowie das zweitletzte im Ruhrgebiet.

 

Quelle: Wikipedia

 

Bei Schürfbohrungen stießen die Düsseldorfer August Stein (Kommerzienrat) und Julius Schäfer (Ingenieur und Fabrikbesitzer) 1897 auf Steinkohle. Sie gründeten 1899 die bergrechtliche Gewerkschaft Auguste Victoria, die die 1898 konsolidierten Grubenfelder Hansi I und Hansi II erwarb. Benannt war die Gewerkschaft nach der Königin von Preußen und letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg.

 

Quelle: Ruhr Pott Pedia

 

Charakteristisch für das Ruhrgebiet ist der enge Verbund zwischen Kohle und Stahl.

 

Das Bergwerk Auguste Victoria ging eine andere Verbindung ein: 1907, zwei Jahre nach Förderaufnahme, trat die Badische Anilin- und Sodafabrik AG (BASF) aus Ludwigshafen mit einem Ankaufwunsch an die Gewerkschaft heran. Ohne langes Zögern stimmte diese zu.

 

Welches Interesse hatte die BASF an einer Ruhrkohlezeche? Die chemischen Werke benötigten für ihre zahlreichen Kesselhäuser, in denen Dampf für den Maschinenantrieb und für chemische Prozesse erzeugt wurde, große Mengen Kohle. Später spielte auch die Nutzung von Koks und Nebenprodukten wie Teer, Benzol, Ammoniak und Schwefelsäure für die chemische Industrie eine wichtige Rolle.

 

Zuletzt allerdings war auch Auguste Victoria in den Deutschen Steinkohlekonzern eingebunden. Dies ist aber nicht die einzige Besonderheit: Auguste Victoria gehörte auch zu den wenigen Zechen im Ruhrgebiet, auf denen Erz abgebaut wurde. 1930 entdeckte man einen Bleizinkerzgang und baute von 1938 bis 1962 das Erz ab.

 

Quelle: Metropole Ruhr


1999, 100 Jahrfeier Auguste Victoria

Bei der Hundertjahrfeier von Auguste Victoria hatte ich die Freude und die Ehre, mit Ronny und Tobi Scherrinski 8 mal in die Zeche hineinspringen zu dürfen. Zweimal an Schacht 1/2 und sechsmal an Schacht 3/7. Es war ein wunderbares Wochenende.


Schacht 1/2

An der Victoriastraße in Hüls begann man mit den Abteufarbeiten von Schacht 1 für das neue Bergwerk. 1899 wurde dem Bergwerk der Anschluss einer Zechenbahn an die Bahnhaltestelle Sinsen genehmigt. 1900 begann man einige Meter weiter, Schacht 2 im Senkschachtverfahren zu teufen. Im Jahre 1901 wurde die Arbeit wegen harter Mergelschichten und Wasserzuflüssen bei 40 m Teufe eingestellt. 1902 wurde die Arbeit an Schacht 2 mit dem Gefrierverfahren wieder aufgenommen, Schacht 1 wurde jedoch vorerst aufgegeben. Die Nummerierung der Schächte wurde aus diesem Grund umgekehrt: Schacht 2 wurde in Schacht 1 umbenannt. 1903 wurde der erste Schacht, nun Schacht 2, weitergeteuft. Schacht 1 erreichte 1904 bei circa 580 m Teufe das flözführende Karbon, Schacht 2 ein Jahr später bei etwa 591 m Teufe. 1905 und 1906 gingen die beiden Schächte in Betrieb. Während die Belegschaft der Zeche 1903 noch 73 Bergleute betrug, stieg sie im Jahre 1904 schon auf 234 Bergleute und bis 1906 auf 878 Bergleute.

 

Schacht 1/2 wurde mitsamt der Kokerei 1968 stillgelegt.

 

Quelle: Ruhr Pott Pedia


Schacht 3/7

Im Jahr 1923 begann man etwa 2,5 km nördlich von Schacht 1/2 mit den Teufarbeiten für den Schacht 3. Geplant war eine Doppelschachtanlage. Wegen der Ruhrbesetzung im Januar 1923 mussten die Arbeiten jedoch bis 1925 eingestellt werden. Die Besetzung durch französische und belgische Truppen führte auch zu einem Rückgang der Kohleförderung. Der Betrieb der Zeche wurde durch die Abgaben an die Besatzungsmächte zunehmend unrentabel. Erst nach Ende der Besetzung normalisierte sich der Betrieb einigermaßen, obwohl der Kohleabsatz zunächst stagnierte, weil auch die Kohleabnehmer unterbeschäftigt waren. Die Teufarbeiten am Schacht 3 wurden 1925 aber wieder aufgenommen. Ein Jahr später erreichte der Schacht bei circa 680 m das Karbon.

 

1934 begannen die Aufwältigungsarbeiten von Schacht 3, der 1937 in Betrieb gehen konnte. Westlich von Schacht 3 entstanden die Chemischen Werke Hüls. 1937 übernahm die IG Farbenindustrie AG die Zeche, die aber ihren Namen behalten durfte. 1938 erreichte die Jahresförderung von Auguste Victoria 1,5 Millionen t, in der Kokerei wurden 521.000 t Koks produziert.

 

Schacht 7 wurde ab 1957 in unmittelbarer Nähe von Schacht 3 geteuft und ging 1960 in Betrieb. Schacht 7 wurde als Förderschacht des Bergwerks mit einer Skipanlage ausgerüstet. Die entstandene neue Doppelschachtanlage übernahm 1966 die Förderung von der Schachtanlage 1/2,

 

Quelle: Ruhr Pott Pedia


Schacht 8

1963 wurde Schacht 8 im Feld Lippramsdorf, etwa drei Kilometer nördlich der Schachtanlage 3/7 am nördlichen Ufer der Lippe als Wetterschacht für das nordöstliche Grubenfeld abgeteuft. 1972 wurden die Grubenfelder 3/7 und 8 verbunden. Im Rahmen der Vergrößerung und Ausdehnung des Grubenfeldes wurde die Anlage 1978 als Seilfahrts- und Materialförderschacht ausgebaut und bis 1980 auf ungefähr 1330 m weitergeteuft. Im Jahre 1982 wurde die neue Schachtanlage durch den damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, Johannes Rau, feierlich eröffnet.

 

Am 1. Januar 1991 verkaufte der BASF-Konzern das Bergwerk Auguste Victoria an die Ruhrkohle AG (heute RAG Aktiengesellschaft), die Eingliederung in den Konzern dauerte jedoch noch bis 1997. Im Jahr 2000 förderte das Bergwerk mit 4003 Beschäftigten 3,54 Millionen t Kohle.

 

2015 wird das Bergwerk geschlossen.

 

Quelle: Ruhr Pott Pedia